Ungleichgewicht im Kreis Stormarn: Kita-Essen kostet zwischen 50 und 135 Euro im Monat
SPD-Politiker haben die Verpflegungskosten in Stormarner Kindertagesstätten verglichen. Es fallen große Diskrepanzen aus.
Für das Mittagessen in einer Kita zahlen Eltern im Kreis Stormarn auffällig unterschiedlich viel. Das zeigt eine Erhebung der SPD mit 137 Datensätzen. Die Gründe für die Preisunterschiede – und was Parteien nun fordern.
Stormarn. Was Eltern im Kreis Stormarn für das Mittagessen ihrer Kinder zahlen, unterscheidet sich deutlich. Das zeigt eine Erhebung der SPD Stormarn, die Co-Kreisvorsitzende Marion Meyer und der Landtagsabgeordnete Martin Habersaat zusammengetragen haben. Die Verpflegungskosten in Kindertagesstätten schwanken demnach zwischen 50 und 135 Euro pro Monat.
Die Erhebung umfasst 137 Datensätze aus dem Kreis Stormarn. Für 110 ließ sich demnach ein durchschnittlicher Vergleichswert berechnen. Bei den übrigen fehlten Angaben, oder es bestehe noch Klärungsbedarf.
Durchschnittlich kostet das Kita-Essen laut der Erhebung rund 89 Euro im Monat. Die Angaben stammen aus unterschiedlichen Quellen, etwa telefonischen Auskünften, Elternbriefen und Gebührensatzungen. „Für Familien macht es einen spürbaren Unterschied, ob für die Verpflegung ihres Kindes 60, 90 oder mehr als 100 Euro im Monat anfallen“, sagt Habersaat.
Unterschiedlich hohe Kosten für Kita-Essen: Gründe für Schwankungen
Die Gründe dafür sind vielfältig, wie die Erhebung zeigt. Einige Einrichtungen kochen das Essen vor Ort mit eigenem Personal. Andere lassen es fertig anliefern. Manche Kitas nennen einen festen Monatsbetrag, andere rechnen pro Mahlzeit ab. Mal ist nur das Mittagessen im Preis enthalten, mal kommen Frühstück oder Snacks hinzu.
Meyer und Habersaat fordern kostenlose oder sehr kostengünstige Mittagessen an allen Schulen und Kitas – unabhängig vom Einkommen der Eltern. „Ein gesundes Mittagessen gehört für uns zu einem guten Kita-Tag dazu“, so ihre Meinung. „Deshalb müssen wir darauf achten, dass die Kosten dafür nicht zu einer zusätzlichen sozialen Hürde für Familien werden.“ Dafür fehlten momentan aber die politischen Mehrheiten. Die Erhebung solle Transparenz schaffen und eine Diskussion darüber ermöglichen, warum die Unterschiede so groß sind.
Der Landtagsabgeordnete Martin Habersaat (SPD) bei einer Debatte des Schleswig-Holsteinischen Landtags.
Das schleswig-holsteinische Kita-Gesetz verpflichtet Einrichtungen bei einer täglichen Betreuung von mindestens sechs Stunden dazu, den Kindern ein Mittagessen anzubieten. Während die Kita-Elternbeiträge gesetzlich gedeckelt sind, können die Verpflegungskosten je nach Einrichtung unterschiedlich ausfallen. Die Verpflegungskosten seien somit eine der wenigen finanziellen Stellschrauben im Kita-System, wo Eltern vor Ort unmittelbar Unterschiede spüren, sagen die SPD-Politiker.
Für die Familien macht es einen spürbaren Unterschied.
Die Grünen-Fraktion im Stormarner Kreistag verweist darauf, dass die Verpflegungskosten mit den jeweiligen Standortkommunen vereinbart werden. Kommunen könnten eine freiwillige finanzielle Unterstützung leisten. Entscheidend sei die finanzielle Situation der einzelnen Gemeinden. „Die Kommunen in Stormarn fahren unterschiedliche Modelle“, sagt Fraktionsvorsitzende Petra Grüner.
Sie nennt zwei Beispiele: In Oststeinbek etwa zahlen Eltern 90 Euro im Monat. Die Gemeinde bezuschusst die Essensversorgung im Jahr mit 377.000 Euro und übernimmt damit gut 46 Prozent der Kosten, wie aus Unterlagen der Gemeindevertretung hervorgehe.
In Reinbek zahlen Eltern nach Angaben der Stadt in der städtischen Kita 100 Euro monatlich für das Essen. Noch übernimmt die Stadt einen freiwilligen Zuschuss. Doch die monatlichen Beiträge werden jedes Jahr um zehn Euro erhöht, bis die Kosten komplett durch Elternbeiträge gedeckt sind.
Angespannte Haushaltslage: Übernahme von Kosten für Kita-Essen unwahrscheinlich
„Solange die Haushaltslage bei der öffentlichen Hand so angespannt bleibt, sind Zuschüsse zu den Verpflegungskosten freiwillige Leistungen, die mit anderen Haushaltstiteln konkurrieren“, sagt Grüner. Wenn Länder und Kommunen vom Bund steuerlich bessergestellt werden, sei zu erwarten, dass wieder mehr in Bildung, Sport und Kultur investiert werde.
Die FDP-Kreistagsfraktion Stormarn meint, dass gesundes Essen Teil frühkindlicher Bildung sei. „Wir fordern deshalb seit 2023, dass das Kita-Essen für Familien kostenfrei wird und das Land die Kosten übernimmt“, sagt deren Vorsitzender Thomas Bellizzi, auch Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses im Kreis. „Jeder Euro, der im Kita-System frei wird, gehört zu den Kindern und nicht in die allgemeine Haushaltssanierung.“
Das Kita-Gesetz verpflichte die Träger, Elternvertretungen die Kalkulation der Verpflegungskosten offenzulegen. „Wir ermutigen daher alle Elternvertreter, dieses Recht einzufordern und sich beim Preis genauso einzubringen wie bei der Qualität des Essens“, so Bellizzi.
Die CDU Stormarn verweist auf Entscheidungsträger in den jeweiligen Kommunen. Die genannten Preisunterschiede allein würden keine belastbare Bewertung erlauben. „Hierfür müssten unter anderem Umfang und Qualität der angebotenen Verpflegung sowie die jeweilige Kostenkalkulation betrachtet werden“, sagt Kreisgeschäftsführer Patrick Ziebke. „Unser Anspruch ist, dass die Kosten nachvollziehbar, angemessen und für Familien möglichst tragbar sind.“
Von Paula Muche
27.10.2026, 18:00 Uhr, Lübecker Nachrichten
